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EIN KLEID FÜR DIE EWIGKEIT

 

Nachhaltigkeit ist eigentlich ein sehr altes Wort. Es wurde so lange Zeit nicht gebraucht, dass es in Kluges Etymologischem Wörterbuch in der Ausgabe von 1975 nicht aufgeführt ist. Im Moment erlebt es eine Renaissance. Nachhaltig zu sein scheint ein erstrebenswerter Zustand, denn wenn es das ist, so glaubt man, dann ist es gut. Nachhaltigkeit schont unsere Ressourcen, und damit unsere Umwelt. Sie drückt unseren Wunsch aus, dass alles noch lange reichen möge. Und sie ist ein Appell möglichst sparsam mit dem Vorhandenen umzugehen.

 

Eine der nachhaltigsten Erscheinungen unserer Zeit, die ich kenne, sind  Verpackungen aus Plastik. Sie sind so nachhaltig, dass man sie in unserer Lebenszeit nicht mehr los werden wird. 

 

Sie begegnen mir überall: neu, gebraucht und recycelt. Achtlos weggeworfen und liegen gelassen besetzen sie wie Gras die verstecktesten Winkel.

 

Auch Gras gehört zu den nachhaltigen Dingen.

Es ist einfach da und drängt vehement immer wieder an die Oberfläche.

Es ist  ein nicht weg zu denkender Bestandteil der Natur und damit des Lebens.

 

Wo fängt Natur an und wo hört sie auf?

 

Vor Jahren ging ich Gras ernten und fertigte daraus ein Kleid. Ein archaisches Modell entstand in einem langsamen Prozess.

 

Jetzt ernte ich Plastik. Es wächst auf dem Baum vor meinem Haus, es weht an windigen Tagen durch die Strassen, es türmt sich in den Mülleimern der Supermärkte und in jeder nur denkbaren Ritze auf dieser Erde. 

 

Die Errungenschaften aus Plastik haben ihre ganz eigene Ästhetik in unendlichen Erscheinungsformen.

 

Ein Kleid aus frisch geerntetem und zubereiteten Verpackungsmüll: lang lebe das passende Outfit zu PACKET SOUP!!!

 

März 2012

 

2012, Packet-Soup, SAVVY- Contemporary, Berlin, Deutschland

 

www.packet-soup.com/