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ZEIT

 

In meiner Erinnerung trage ich den Geruch von nasser Erde und tauendem Schnee.

 

Zeit ist relativ.

 

Unser Empfinden für Zeit wird immer durch ein Ereignis und der daraus entstehenden Erinnerung geprägt.

 

Zeit ist messbar.

 

Alles, was wir tun, empfinden und denken spielt sich innerhalb eines zeitlichen Rahmens ab. Man spricht von Zeiträumen.

 

Für gewisse Dinge braucht man mehr Zeit als für andere.

 

Eingebettet in den Rahmen der Zeit leben wir von unserer Geburt bis zu unserem Tod. Ein Abschnitt ist uns gewährt. Wir gehen. Die Zeit bleibt. Hätte sie Augen würde sie sehen wie wir kommen und gehen, uns freuen und leiden, lieben und hassen, Kriege anzetteln, die Welt zerstören und den nicht endenden Neuanfang.

Sie würde die Veränderungen wahr nehmen, die unser Planet durchläuft.,

Wir und alles was vor uns war und nach uns kommt, das Leben, jedes für sich ein Kosmos, ein kleiner Abschnitt vom großen Ganzen.

 

Ein  Sandkorn, im Strahle der Sonnen, klingen mit....

 

Unser Leben ist geprägt von zeitlichen Abläufen, denen wir unterworfen sind:

Rhythmen, wie Tag und Nacht, die Jahreszeiten, Kindheit, Jugend, Alter.

 

Eingebunden in diese Rhythmen werden wir an immer neue Horizonte geführt.

 

Man sagt, uns ist eine bestimmte Zeit gegeben oder bestimmt.

Wir haben keine Zeit, stehen unter Zeitdruck oder unsere Zeit ist noch nicht gekommen oder auch wir haben alle Zeit der Welt.

 

Zeit heilt Wunden? Zeit ist einfach da. Sie selbst macht überhaupt nichts.

 

Sie ist weder sichtbar, noch hörbar. Man kann sie nicht schmecken und doch spricht man von Zeitgeschmack.

 

Sie ist allzeit präsent in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

 

Zeit hat kein Erbarmen. Egal, was wir tun, was passiert, sie schreitet unaufhaltsam voran. Sie kümmert sich nicht um Leben und Tod. Und doch ist sie untrennbar damit verbunden.

 

In meiner Performance ZEIT wage ich einen Entwurf.

 

Die Performance:

 

Ich reduziere meine Handlung.

Ich beschränke mich auf das Rollen. Wichtig ist mir, dass ich mich unaufhörlich, ohne Unterbrechung bewege. Und zwar so langsam wie möglich.

So wie die Zeit, die unaufhaltsam fortschreitet, währenddessen wir und alles um uns herum sich ebenso unaufhaltsam verändert.

Ich rolle über Erde. Sie bedeckt den Boden, aus ihr besteht der Grund. Zu Erde werde ich, wenn ich nicht mehr bin.

Meine Bewegungen sind minimal. Ich tauche ein in beständige und unerbittliche Langsamkeit. Ich zelebriere Zeit.

 

Ich möchte wissen, ob es mir gelingt mich unbemerkt von einem Ort an einen anderen zu bewegen, ob ich so sein kann, wie die Zeit, ob ich diesen Moment festhalten , sichtbar machen kann, von dem man später sagt: ich habe gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht.

 

Ich merke, wie die äußere Handlung hinter dem inneren Erleben zurück tritt.

Ich nehme jede Nuance der Veränderung wahr.

Die anfänglich als fast unerträglich empfundene Langsamkeit bekommt eine neue Qualität. Durch das bewusste Wahrnehmen und Ausführen dieser einfachen Bewegung gewinnt sie an Substanz. Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch sehr schnell bin.

 

Und dann kommt der Moment, in dem mich das Gefühl packt, mich in der Zeit aufzulösen. Ein wunderbares freies Gefühl. Zeit spielt keine Rolle mehr.

 

Was bleibt sind mein Körper, die Erde, der Raum und das Kontinuum der Bewegung, die in einer Art nicht endender Transformation verschmelzen.

 

Ein Stück Zeit, ein Zeitraum werden sichtbar in körperskulpturaler Wirklichkeit.

 

Dauer: ich brauche ca  Stunden für 5 m

 

mit  Bob Rutman auf der Bow Chime

 

2000, Kunstraum Offenbach, Deutschland